
Das Rotkehlchen
Ein sympathischer Gartenbewohner mit besonderem Gesang
Das Rotkehlchen mit dem schönen englischen Namen „Robin“ ist mit seiner orangeroten Kehle und seinen großen schwarzen Augen einer unserer sympathischsten Gartenbewohner. Die Engländer haben es 2015 sogar offiziell zu ihrem Lieblingsvogel gewählt (Britain’s favourite bird).
In den letzten Wochen hört man es vielerorts leise perlend in den Morgen- und Abendstunden singen. Die Rotkehlchen werden im Herbst wieder aktiv und stecken, sowohl Männchen als auch Weibchen, mit ihrem Gesang ihre eigenen Winterreviere ab. Nach einiger Zeit lösen die Weibchen ihre Reviere auf, ziehen herum und suchen sich ein Männchen (Damenwahl).
Die Rotkehlchen, die sich bei uns im Moment im Garten herumtreiben, sind oft gar nicht die gleichen, die im Frühjahr bei uns gebrütet haben. Die kleinen Gesellen sind Teilzieher, das bedeutet, viele unserer Rotkehlchen ziehen nach Spanien und die aus Skandinavien kommen zu uns.
Das Rotkehlchen in der Forschung
Das Rotkehlchen ist ein heimlicher Star in der Wissenschaftsgeschichte. Mit Versuchen an Rotkehlchen haben Frankfurter Wissenschaftler herausgefunden, dass sich Vögel beim Zug unter anderem am Magnetfeld orientieren. In Stahlkammern mit künstlich verändertem Magnetfeld flogen die Vögelchen zur Zugzeit plötzlich Richtung Osten statt nach Südwest.
Woran sich Vögel nun generell orientieren, ist noch nicht abschließend geklärt. Es spielen wohl mehrere Faktoren wie Sonnenstand, Wetter, Magnetfeld und Landmarken eine Rolle. Wie spätestens seit der Forschung von Jane Goodall an Affen bekannt ist, haben Tiere Persönlichkeiten.
Ein außergewöhnlicher Beobachter: Das fischende Rotkehlchen
Naturfotograf Robert Gross machte im Jahr 1992 eine ganz besondere Beobachtung. Er saß im Winter an der Fulda und wollte den Eisvogel fotografieren, der regelmäßig zum Fischen kam. Nach einiger Zeit bemerkte er, dass der Eisvogel beobachtet wurde – und zwar von einem Rotkehlchen.
Dieses beobachtete wochenlang den Eisvogel und fing schließlich selbst an, sich ins Wasser zu stürzen. Es hatte entdeckt, dass die kleinen Fische vor dem Eisvogel ins flache Wasser fliehen. Nach vielen Fehlversuchen lernte es tatsächlich, selbst Fische zu erbeuten. Es stand sogar im Rüttelflug wie ein Turmfalke über dem Wasser und tauchte erfolgreich nach Beute. Herrn Gross gelang es sogar, diese Szene auf Zelluloid zu bannen – spektakulär!
Im Jahr 2017 gelang es dem Schweizer Tierfotografen Guido Wacker ebenfalls, ein fischendes Rotkehlchen zu fotografieren.
Funfact: Man muss aber gar nicht so weit weg fahren um solche Individualisten zu beobachten. Über meine Vogelstimmenhotline schickte mir Elke im Frühjahr 2017 eine Gesangsaufnahme von einem Rotkehlchen aus dem Saunabereich der Therme in Erding, welches offenbar seinen Winter dort unter Palmen verbringt. Im Frühjahr 2018 war Robin auch wieder dort und fühlte sich sichtlich wohl.
Steckbrief Rotkehlchen
Name: Rotkehlchen
Wissenschaftlicher Name: Erithacus rubecula
Größe: ca. 14 cm
Gewicht: ca. 16–22 g
Lebensraum: Gärten, Parks, Wälder und Heckenlandschaften
Nahrung: Insekten, Spinnen, Würmer, Beeren
Gesang: Klar, melodisch und variantenreich – oft schon im Spätwinter zu hören
Brutzeit: April bis Juli (2 Bruten möglich)
Zugverhalten: Teilzieher – viele überwintern bei uns
Besonderheit: Sehr zutraulich und neugierig – begleitet oft Menschen im Garten auf der Suche nach Nahrung
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