Grünspecht
rufender Grünspecht (Foto: Philipp Herrmann)

Der Grünspecht

„Ein Papagei? Bei mir im Garten auf dem Boden?“ – genau diese Frage höre ich als Vogelexperte immer wieder. Da sitzt plötzlich ein Vogel im Rasen, saftig grün am Rücken, ein Hauch von Gelb und am Kopf ein leuchtendes Feuerrot. Schnell kommt da der Gedanke: Das muss doch ein Papagei sein!
Doch dieser „Papageien-Doppelgänger“ ist ein echter Einheimischer.

Mit etwa 30 Zentimetern Länge – also so lang wie ein großes Lineal – und einer Spannweite von rund einem halben Meter gehört er zu unseren größeren Spechten. Und nicht nur optisch ist er auffällig: Sein charakteristisches „Gü gü gü gü“ klingt fast wie ein freches Lachen und hallt ab Februar durch Parks und Gärten. Besonders rund um den Hofgarten lässt sich dieser Ruf jedes Frühjahr wunderbar hören – ein echtes Naturerlebnis mitten in der Stadt.

Wie alle Spechte ist auch der Grünspecht ein Höhlenbauer. Doch statt hartes, gesundes Holz zu bearbeiten, sucht er gezielt nach morschen, bereits angefaulten Ästen. Mit feinem Gehör prüft er durch Klopfen, wo das Holz hohl klingt – und genau dort beginnt er zu hacken. Eine beeindruckende Kombination aus Kraft und Präzision.

Was ihn aber wirklich besonders macht: Der Grünspecht ist ein „Erdspecht“. Statt wie seine Verwandten an Baumstämmen nach Insekten zu suchen, verbringt er viel Zeit am Boden. Seine Lieblingsspeise sind Ameisen. Mit seiner bis zu zehn Zentimeter langen, klebrigen Zunge, die mit kleinen Widerhaken versehen ist, zieht er Ameisen und ihre Puppen direkt aus dem Bau. Selbst im Winter, wenn Schnee liegt, findet er dank seines hervorragenden Gedächtnisses die Nester wieder, die er sich im Sommer gemerkt hat. Ein echtes Navigationsgenie!

 

 

Steckbrief

  • Name: Grünspecht (Picus viridis)

  • Größe: ca. 30–33 cm

  • Spannweite: ca. 45–51 cm

  • Erkennungsmerkmale: grüner Rücken, gelblicher Bürzel, roter Scheitel, schwarzer „Schnurrbart“ (beim Männchen mit rotem Anteil)

  • Lebensraum: offene Landschaften mit Wiesen, Parks, Gärten, Streuobstgebiete

  • Nahrung: vor allem Ameisen und deren Puppen

  • Zugverhalten: Standvogel (bleibt ganzjährig bei uns)

  • Stimme: lachendes „Gü gü gü gü“

Was kannst du für den Grünspecht tun?

Der Grünspecht ist ein Vogel der offenen, strukturreichen Landschaft und er ist ein Ameisenjäger. Wichtig sind für seine Nahrung sind naturnahe Wiesen statt kurz geschorener Rasenflächen, denn nur dort finden Ameisen den passenden Lebensraum. Lass also ruhig mal eine Ecke im Garten „wild“ wachsen.

Auch alte Bäume und Totholz sind entscheidend: Sie bieten dem Grünspecht geeignete Brutplätze. Vor allem ältere Obstbäume haben es ihm angetan. In abgestorbene Seitenäste baut er am liebsten seine Höhle.

Verzichte außerdem auf Pestizide und Insektengifte, denn sie reduzieren die Nahrungsgrundlage. Wer Ameisen im Garten toleriert, hilft indirekt auch dem Grünspecht. 

 


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